3. Quartal 2008
September 2008
28.9.2008Link
Aufwärts? Abwärts? - Nix werd's!

Quelle der Daten:
Wikipedia
Diagramm erstellt mit Microsoft Office Excel 2003
Bei einer Achterbahn geht es zunächst immer langsam ein ganzes Stück aufwärts, dann erreicht man den höchsten Punkt der Bahn und kaum hat man die Aussicht ein wenig genossen saust der Wagen auch schon mit immer schneller werdender Geschwindigkeit nach unten. So ähnlich geht es auch mit den Umfragewerten der CSU: Nachdem sie ein halbes Jahrhundert fast immer nur bergauf ging, erreichte sie 2003 mit Edmund Stoiber und seiner
2/
3-Mehrheit (siehe links). Kaum aber hatten Beckstein und Huber das Steuer übernommen neigte sich der Wagen bereits gen Erdboden und begann langsam aber sicher bergabwärts zu fahren. Mittlerweile sind die Konservativen in den Umfragen schon
unter 50% gelandet (siehe rechts) - und jetzt sind auch noch Wahlen, kann es noch schlimmer kommen?
Ja, das kann es: Pünktlich kurz vor den Wahlen hat sich die CSU zum Gespött der Nation gemacht, indem sie am Donnerstag
gegen die Wiedereinführung der Pendlerpauschale stimmte, also gegen genau das, was sie seit Monaten auf jeder Wahlkampfveranstaltung gefordert hatte. Warum sie das getan? Ganz einfach, der Antrag hatte einen kleinen Schönheitsfehler: Er war von der Linken eingebracht worden! Und dann muss man natürlich dagegen sein - auch wenn man eigentlich dafür ist. Man kann ja schließlich keinen Pakt mit dem Teufel eingehen.
Weiterhin also nicht mehr Geld für die Bürger, wir werden wohl doch mit dem Rad fahren müssen, wenn wir uns das Benzin nicht mehr leisten können. Nicht mehr mit dem Rad
fährt dagegen ab sofort Erik Zabel. Das ist natürlich ein Verlust - für die Pharmaindustrie, schließlich geht damit eine ihrer besten Werbeplattforem in Rente. Aber keine Sorge, für Ersatz ist bereits gesorgt:
Lance Armstrong ist zurück! Das ist doch einmal eine super Meldung, immerhin gilt er unter Radsportfans
als erfolgreichster Doper Radsportler aller Zeiten. Aber auch er wird es schwer haben: Denn aus China kommt neue Konkurrenz - und auf dem Gebiet
des Dopings der Sportförderung, gilt das Reich der Mitte ja nicht erst seit Olympia als weltweit führend.
Sogar im Säuglingsalter versucht man dort bereits die zukünftigen Spitzensportler an die eine oder andere Chemikalie in der Nahrung zu gewöhnen. Dass es bei solch einem ehrgeizigen Projekt auch einmal
zu kleineren Pannen kommen kann, ist zwar bedauerlich, aber für Fortschritt muss man nun mal Opfer bringen können. Und der Fortschritt in Fernost ist wirklich unglaublich: Diese Woche
erreichten die Chinesen sogar den Weltraum! Wen interessieren angesichts solcher unglaublicher Erfolge schon ein paar vergiftete Babys?
Für das gemeine Volk bleibt aufgrund dieser enormen wissenschaftlicher Erfolge halt leider nicht mehr ganz so viel übrig, aber das ist kein Problem! Dafür zahlen wir China ja jedes Jahr viele Millionen Entwicklungshilfe, damit sich die chinesische Regierung nicht mit solchen Lappalien wie der Ernährung oder der Bildung ihres Volkes aufhalten muss. Dummerweise ist Deutschland jetzt auch ein bisschen pleite - und deswegen wird
China in Zukunft leider nicht mehr so viel Unterstützung von uns erhalten können. Das Weltraumprogramm wird dadurch aber sicher nicht gefährdet werden -
das kann China sicher auch alleine zahlen.
Aber natürlich gibt es trotzdem noch viele arme Menschen auf der Erde und auch für die soll jetzt etwas getan werden: Stolze
16 Milliarden mehr für die Bekämpfung der Armut haben alle Staaten der Welt der UNO versprochen - das ist doch mal eine Sache! Gut, die USA haben ganz alleine schnell mal
700 Milliarden für die Bekämpfung der Bankenkrise locker gemacht, aber die Banker können halt einfach nicht auf ihre Villen und ihre Privatjets verzichten - das muss man eben verstehen, auch der hungrige Afrikaner wird da sicher voller Verständnis sein. Schwarze
Zahlen sind eben wichtiger als schwarze
Menschen!
Aber wo wir gerade bei Schwarzen und schwarzen Zahlen sind: Dank der enormen Sparanstrengungen der CSU machen wir Bayern ja neuerdings keine neuen Schulden mehr! Und sogar unsere Bundeskanzlerin Frau Merkel hat ihr bayerisches Landesfürstenduo gelobt und gesagt, Bayern sei da, wo der Bund erst noch hinwolle. Okay, die Landesbank hat sie vermutlich eher nicht gemeint, den Transrapid auch eher nicht, die Bildungspolitik kann sie ebenfalls nicht gemeint haben und den Nichtraucherschutz schon gleich gar nicht - aber sonst...
Und weil's uns allen so gut geht, wird der Bayer doch sicher auch wieder die CSU wählen -
oder?
Wir werden sehen (
Fortsetzung folgt...)
Nachtrag (20:15 Uhr): ...und staunen:
Das hätte nun wirklich niemand erwartet - die CSU stürzt ab auf 43-44% und wird in Zukunft nur noch in Koalition mit FDP
oder Freien Wählern regieren können. Was soll man da noch sagen?
Am besten gar nichts - einfach nur schauen und genießen:
21.9.2008Link
O’zapft is!

Oder für alle Nicht-Bayern: In München ist es ab sofort gestattet sich zwecks Erhalt des bayerischen Brauchtums literweise alkoholhaltige Getränke aus Wasser, Hopfen und Malz unter Abgabe völlig überhöhte Preise zuzuführen.
Oder kurz: Das Oktoberfest ist eröffnet (ja, genau - mitten im September!).
Aber - oh Schreck - was ist das? Skandal, Katastrophe - Die Frau unseres Ministerpräsidenten,
Marga Beckstein, trägt kein Dirndl - das, das... das ist der Untergang des Abendlandes... oder wenigstens Bayerns... oder zumindest des Oktoberfests... oder vielleicht auch nur...
Aber zum Glück haben wir ja sonst keine Probleme:
Der Weltuntergang wurde zum Beispiel noch einmal um mehrere Monate und ein paar Millionen Euro
verschoben! - so was blödes aber auch, jetzt muss ich meine Hausaufgaben doch noch machen.
Verlängert wurde dagegen die Bankenkrise, die Anfang dieser Woche mit der
Pleite von Lehman Brothers, in die nächste Runde ging. Sind doch da tatsächlich noch ein paar faule Kredite im Keller herumgelegen - wobei, so kann man das nicht sagen, man müsste eher sagen: Da hatte wohl noch eine Bank ihr Fundament gegen einen Berg vergammelter Kredite ausgetauscht und gehofft, dass es die Schwerkraft nicht merkt. Jetzt hat sie es aber gemerkt - und schwupp die wupp ist eine ganze Bank im Erdboden verschwunden. Irgendwie erinnert mich das ein wenig an das Gammelfleisch: Unverkäufliche Ware umettiketieren, ordentlich verpacken, damit man nicht sieht was drin ist, dann verkaufen und hoffen, dass das Zeug jetzt so lange in der Weltgeschichte hin und her reist, bis keiner mehr weiß, woher es eigentlich kommt. Dass dabei dann auch mal der ein oder andere Kunde drauf geht - wen interessiert das schon?
Der einzige Unterschied ist, dass bei den Fleischskandalen keiner auf die Idee gekommen wäre tonnenweise Frischfleisch auf den Markt zu werfen, um den Fleischmarkt zu stabilisieren. Aber klar, Lebensmittel sind nicht so wichtig und die Gesundheit der Bürger uninteressant, viel wichtiger ist doch das Geld und dass die Banken gesund bleiben. Und deswegen wird die
US-Regierung jetzt auch schnell mal ein paar Milliarden Euro verteilen, um den armen Banken zu helfen - komisch wie locker da das Geld plötzlich sitzt, für die Ärmsten ist doch sonst auch nie was da, aber gut, ein paar tausend hungriger Bürger sind eben lange nicht so gefährlich wie ein hungriger Bänker.
Auch die anderen Nationen hat Präsident George Bush dazu aufgefordert bei der großangelegten Bankenrettungsaktion mit zu machen. Und wir Deutschen sind mal wieder Vorreiter: Vermutlich in vorauseilendem Gehorsam hat die bundeseigene Bank KfW (
Kreditanstalt für Wiederaufbau) schon einen Tag nach der Pleite mal schnell
eine halbe Milliarde an die Brüder Lehman überwiesen. Nur dumm, dass das Geld jetzt weg ist, einfach so! Es sei ein Versehen gewesen, heißt es jetzt, eine Computerpanne. Ahja: Mal aus Versehe einen 8stelligen Betrag überweisen - klar, das kann mal passieren, überhaupt kein Problem, wir haben's ja (nur warum überweist nie versehentlich jemand ein paar Millionen auf
mein Konto?).
Und weil wir soviel Geld haben, plant die Große Koalition
den Bürger um ein paar Milliarden Euro zu entlasten. Beschlossen wird das ganze praktischerweise noch vor den Bundestagswahlen im nächsten Jahr - eine super Sache! Auf eine wie auch immer geartete Gegenfinanzierung möchte man dagegen verzichten - logisch, bei
1,5 Billionen Euro Schulden, kommt's auf die 9 Milliarden auch nicht mehr an. Ist doch ganz einfach: "Ist der Haushalt ruiniert, lebt sich's gänzlich ungeniert." Und bis wir das dann bezahlen müssen sind unsere Herren Politiker schon längst in Rente - deren Rente
ist nämlich sicher.

Und was bleibt da dem einfachen Bürger? Wohl nichts anderes als sein letztes Geld auf die Theresienwiese zu tragen, sich ordentlich volllaufen zu lassen und die ganze elende Welt zu vergessen. Praktisch hierbei ist, dass Ministerpräsident und Ex-Innenminister Günther Beckstein die Promillegrenze aufgehoben hat. Man könne auch mit 2 Maß Bier noch ohne Probleme Autofahren,
meinte Günther Beckstein zum Vorschlag Alkohol am Steuer ganz zu verbieten. Sicher, Autofahren kann man dann noch, die Frage ist nur wie.
Da möchte man fast wünschen, dass so ein "Zwei-Maß-Autofahrer" unseren bayerischen Obersäufer einmal trifft; oder besser noch ein nüchterner Fahrer, damit er besser zielen kann...
14.9.2008 Link
Im Anfang war das Wort...
Den Anfang allen Seins
wollen sie also nachspielen, in der größten Maschine der Welt – in CERN. Und das weckt Befürchtungen: Schwarze Löcher könnten entstehen und uns alle vernichten. Wir in Bayern wissen aber: Da muss man keine Angst haben. Schließlich leben wir schon seit Jahren mit einer ganzen Reihe schwarzer Löcher und mancher bezeichnet ja sogar unser ganzes Land als schwarzes Loch. Keine Panik also - so schlimm ist das nicht, ich spreche aus Erfahrung.
Wobei, so wie es jetzt - während dem Wahlkampf - zugeht, da kann man die Angst vielleicht doch ein wenig verstehen. Das ist schon eine Qual mit dieser Wahl. Was war das doch früher schön, wo man den Wahlkampf in Bayern einfach übersehen konnte, weil das Ergebnis eh bereits vor der Wahl feststand. Aber das hat unser Supertandem jetzt völlig verändert. Die haben es tatsächlich geschafft die CSU unter 50% zu drücken. Seit die beiden Stoiber vom Thron verjagt und sich selbst an dessen Stelle gekrönt haben befindet sich die CSU damit in einem Stimmungstief von nahezu beckschem Ausmaße.
Beck war wohl bislang auch die größte Gefahr für die bayerische SPD - was muss der arme
Franz Maget für Ängste ausgestanden haben, dass irgendwann Kurt Beck als Wahlkampfhelfer kommt. Der wäre vermutlich der einzige gewesen, der die SPD in den Umfragen noch weiter hätte abstürzen lassen können. Aber dieser Kelch ist an den bayerischen Genossen jetzt endgültig vorüber gegangen. Nichts desto trotz geht es den Roten in Bayern selbst
ohne Beck und
mit schwachen Schwarzen nicht wirklich gut - und das obwohl die SPD in Bayern nicht einmal mit der Linken zu kämpfen hat, die wird nämlich allem Anschein nach an der 5%-Hürde scheitern.
Warum letzteres so ist, hat Ministerpräsident
Beckstein auf dem Gillermoos versucht zu erklären:
An der Spitze stehen zwei Verräter.
Er muss es ja wissen, schließlich haben er und Huber ja selbst Edmund Stoiber...

Aber apropos: Das, was die Linke für die SPD ist, das sind für die CSU
die Republikaner (REP); Gegründet von ehemaligen CSU-Mitgliedern, positionieren sie sich im politischen Spektrum noch mal ein ganzes Stück weiter rechts von der CSU. Sie wurden,
wie die Linken auch jetzt noch, vom Verfassungsschutz beobachtet, sind aber mittlerweile lang nicht mehr so stark wie die Linke es heute ist. Und sie haben
einen super Wahlkampfslogan: "blau wählen"
Ich weiß nicht ganz genau, was sie uns damit sagen wollen, aber ich vermute es hat damit zu tun, dass man schon ziemlich blau sein muss um diese Partei zu wählen.
Insofern dürften sie nicht sonderlich begeistern sein vom
nationalen Aktionsprogramm zur Alkoholprävention, das in letzter Zeit wieder für Wirbel gesorgt hat. Vor allem natürlich
die Brauer stören sich an diesem Programm der Bundesregierung, das den Alkoholmissbrauch verringern möchte, ebenso der "Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur" (der sich schon
beim Raucherschutz hervorgetan hat) und - man höre und staune - auch die CSU!
Nicht nur, dass man manche Veranstaltungen der Konservativen (politischer Aschermittwoch) erst ab mindestens 1,0 Promille betreten, geschweige denn ertragen kann, sie braucht zudem auch dringend betrunkene Jugendliche - jetzt nicht nur als Wähler, nein, vor allem auch als Wahlkampfthema, dann nämlich, wenn sie in ihrem Suff in irgendeinem U-Bahnhof einen Rentner verprügeln, dann haben die Schwarzen wieder ein schönes Bild für ihre Wahlkampfplakate (man erinnere sich an Hessen!). Wenn sich aber gerade dummerweise keine ausländischen Jugendlichen schlägern, dann...
...muss die CSU
mit solchen Sprüchen in den Wahlkampf ziehen...

Aber auch andere Parteien haben schöne Sprüche auf ihren Plakaten.
Die FDP zum Beispiel (siehe links) sieht sich als der größte Kontrast zur CSU - ob das stimmt sei mal dahingestellt, unpraktisch ist es aber auf jeden Fall, schließlich würde die FDP, sollte der unwahrscheinlich Fall eintreten, dass die CSU tatsächlich die absolute Mehrheit verfehlt, am ehesten mit der CSU koalieren - oder will da etwa jemand einen auf Ypsilanti machen (wir koalieren auf keinen Fall mit...)
Überhaupt befindet sich die bayerische Opposition in einer interessanten Lage: Die FDP will mit niemandem koalieren, die Freien Wähler mit allen, mit den Linken will sowieso keiner zusammenarbeiten und die SPD möchte zwar gerne regieren - weiß aber nicht mit wem.

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Die Ausrisse stammen von den Plakaten auf politik-visuell.de
7.9.2008 Link
Jetzt wird zurück getreten
Ja so was aber auch: jetzt ist doch tatsächlich der Parteivorsitzende der SPD
Kurt Beck zurückgetreten! Das ist natürlich völlig überraschend, schließlich war er doch so beliebt. Über 10% der Bürger hätten
ihn sogar für den richtigen Kanzlerkandidaten gehalten. Aber jetzt auf der Klausurtagung der SPD hat er das Handtuch geworfen, bzw. hat es werfen lassen, denn selbst hat er noch keine Stellung genommen, sondern er hat Außenminister Steinmeier vorgeschickt; einige sagen es hätte Unstimmigkeiten in der Parteistimme gegeben, manche sprechen gar von einem Putsch durch die Nachfolger Steinmeier und Müntefering.
Moment mal,
Klausurtagung, Putsch, Rücktritt, Tandemlösung - hatten wir das nicht schon mal?
Ahja, wusst' ich doch, dass da was war, die SPD macht jetzt also einen auf CSU.
Ob das eine gute Idee ist? Sonderlich erfolgreich war die CSU damit ja nicht,
in den Umfragen steht sie so schlecht da wie seit langem nicht mehr und die alte Riege ist im Exil: Stoiber ist in Brüssel, Söder ebenso, Glos ist in Berlin, ...
Aber von letzterem hört man zumindest ab und an noch was: Diese Woche zum Beispiel hat er
seine Pläne zum Energiesparen vorgestellt - ja ihr habt richtig gehört, Glos will Energiesparen! Genau der Glos, der Angst davor hat, dass wir ein "Volk von Kleinwagenfahrern" werden, wenn die Autos nicht mehr soviel CO
2 in die Luft pusten dürfen. Da hat sich wohl der Bote im Ministerium geirrt und Glos die falsch Rede gebracht. Na, er hat sich dann aber wieder darauf besonnen, dass er ja für die Wirtschaft und nicht für die Menschen da ist, und wieder fleißig für die Atomkraft geworben.
Da hat er sich natürlich einen denkbar günstigen Zeitpunkt herausgesucht. Schließlich ist es da im ersten und bisher auch einzigen atomaren Endlager Deutschlands zu einem ähh... sagen wir zu einem
kleinen Missgeschick gekommen. Da hat man wohl ein paar Fässer etwas unvorsichtig herabgeworfen, ein bisschen Wasser ist eingelaufen, die Fässer sind durchgerostet und sind jetzt ein bisschen Leck, aber da besteht sicher keinerlei Grund zur Besorgnis.
Richtig besorgniserregend ist ein anderes Leck über das in letzter Zeit viel diskutiert wird: Das Datenleck. Da hat man ja mittlerweile das Gefühl, dass jeder andere mehr über einen weiß, als man selbst. Aber
dem will die Bundesregierung nun einen Riegel vorschieben. Ab jetzt sollen Daten nicht mehr weitergegeben werden dürfen, ohne, dass der Verbraucher ausdrücklich zugestimmt hat. Das ist an sich natürlich ein tolle Sache, nur so ganz glaubhaft wirkt die Sache nicht - schließlich ist der
Staat einer der größten Datenhändler, und ich wüsste nicht, dass mich der schon gefragt hätte. Aber wer weiß, manchmal sollen ja Dinge geschehen, die man niemals erwarten würde...
Überhaupt nicht erwartet war ja auch das Comeback von Franz Müntefering, und noch überraschender ist, dass er auch, kaum dass er zurück ist,
den Vorsitz in der SPD übernehmen soll. Schließlich war er vor gar nicht so langer Zeit von diesem Amt zurückgetreten, nachdem die Parteilinke Andrea Nahles ihm ständig Knüppel zwischen die Beine geworfen hatte. aber jetzt, wo die Not am größten ist, scheint man ihn wieder freudig zu begrüßen.
Moment mal,
von einer Frau zum Rücktritt gezwungen worden, kaum zurück getreten, schon wieder sehnlichst vermisst und der Partei geht es seit dem immer schlechter - war da nicht was?
Aber natürlich!- Könnte dann nicht auch...?
August 2008
31.8.2008 Link
Meister des Versprechens
Dass eine Wahl näher rückt kann man immer daran erkennen, dass das Verhältnis
Versprechen/
Interview signifikant ansteigt. Und wenn mich nicht alles täuscht, ist es bald wieder soweit:
Die SPD zum Beispiel
verspricht uns allen eine kostenlose Bildung. Klar, dass die SPD fehlende Bildung als erstes erkennt, bei dem Vorsitzenden, aber neu ist der Vorschlag trotzdem nicht und so hat die SPD noch einen draufgesetzt: Sie wollen auch noch kostenlose Kindertagesstätten
und ein kostenloses Studium - kein Problem, Geld haben wir ja schließlich
im Überfluss. Und um das Ganze perfekt zu machen, wollen die Genossen noch die Hauptschule abschaffen. Interessante Idee, und wenn wir weniger Kriminelle wollen, schaffen wir die Gefängnisse ab, oder wie?
Aber die SPD hat's ja auch nicht leicht, schließlich wird sie von allen Seiten angegriffen: Von rechts wird sie von der CDU aus der Mitte verdrängt, und wenn sie dann nach links ausweichen will, steht da schon die Linke und schiebt wieder zurück. In Hessen hat sie's ja besonders schwer: Einerseits soll Koch gestürzt werden, andererseits die Linke möglichst draußen gehalten werden. Jetzt hat die SPD das kleinere Übel gewählt - also die Linke. Eigentlich hat Frau Ypsilanti zwar versprochen
nicht mit der Linken zusammen zu arbeiten, aber wen interessiert das schon? Die Linke zumindest nicht! Die hat nämlich auf ihrem Parteitag in Lollar (lol) beschlossen,
eine rot-grüne Minderheitenregierung zu tolerieren, ob die will, oder nicht. und gleichzeitig hat sie auch, wer hätte es gedacht, ein paar nette Versprechen gemacht: zum Beispiel
möchte die Linke die Bundeswehr aus Afghanistan zurück holen, und das am besten schon heute, wenn nicht früher. Mhm, tolle Sache, wir gehen also zuerst rein, bomben alles kurz und klein, und wenn's dann ans Aufbauen geht, hauen wir ab! Aber klar, mit Weglaufen kennt sich der Vorsitzende der Linkspartei Oskar Lafontaine ja aus...
Die CDU findet so eine Rot-Rot-Grüne Regierung aber gar nicht nett, und
droht sogar schon mit dem Ende der Großen Koalition! Gut, da stellt sich dann die Frage, ob das jetzt wirklich eine Drohung ist oder ob das nicht viel eher eine Wohltat wäre - dann wäre es ja vielleicht ein Wahlversprechen? Apropos Wahlversprechen: Die Schwesterpartei der CDU, die CSU, ist ja schon mitten drin im Wahlkampf und damit natürlich auch fleißig am Versprechen. Eines der Hauptversprechen ist ja die
Wiedereinführung der Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer, und jetzt verstehe ich auch, warum sich die CSU so vehement dafür einsetzt: Weil sich das Pendeln sonst bald niemand mehr leisten kann. Die Bahn hat nämlich (wieder einmal) angekündigt
die Preise weiter zu erhöhen. Als besonderes Schmankerl gibt es diesmal noch einen zusätzlichen Aufpreis für all' die, die sich ihre Tickets am Schalter oder telefonisch kaufen, der so genannte Bedienzuschlag - für Service zahlt man bei der Bahn also ab jetzt extra! Der Grund für diese Preiserhöhungen ist selbstverständlich
der baldige Börsengang die unverschämt hohe Lohnerhöhung der Lokführer, die diese sich Anfang dieses Jahres erstreikt haben.
Mehr Lohn erstreikt haben sich ja auch die Ärzte. Den bekommen sie jetzt auch und das ist schön so, denn schließlich haben sie einen verantwortungsvollen und wichtigen Beruf. Weniger schön ist, dass das vermutlich eine Erhöhung der Krankenkassenbeiträge zur Folge haben wird, es also von uns bezahlt werden muss. Aber da gibt es jetzt einen tollen
Vorschlag von Ministerin von der Leyen: Wenn uns die Kasse zu teuer ist, sollen wir einfach zu einer billigeren wechseln - da wäre ich jetzt von selbst nicht drauf gekommen.
Einen super Vorschlag hat auch Verbraucherschutzminister Seehofer gemacht:
Er möchte einen verbilligten Basisstromtarif, was bedeutet, dass jeder Bürger eine bestimmte Zahl von Kilowattstunden zu einem verbilligten Preis bekommt und erst bei darüber hinausgehendem Stromverbrauch den vollen Preis zahlen muss. Interessanter Vorschlag, dumm nur, dass der Staat gar keinen Strom verkauft, aber das ist ja nicht so wichtig...
Nicht so wichtig sind ja die meisten Vorschläge, die vor einer Wahl gemacht werden - schließlich braucht sie nach der Wahl keiner umzusetzen. Nützlich können diese also höchstens sein, wenn man eine weitere Methode zur Bestimmung der Entfernung der nächsten Wahl benötigt:
X
Wahlentfernung = N
Vorschlagszahl / M
Interviewzahl
24.8.2008 Link
Nach den Spielen ist vor dem Rückblick
So, jetzt sind die Olympischen Spiele wieder vorbei – endlich, möchte man sagen! Nachdem man jetzt zwei Wochen lang rund um die Uhr anderen Leuten beim Sporttreiben zuschauen musste, kann man sich jetzt endlich entspannen und den Sommer genießen. Das gelbe, blendende etwas da oben am Himmel nennt man übrigens Sonne – auf den Bildern aus Peking dürfte diese dank dem Smog ja eher weniger gestört haben.
Die Olympischen Spiele waren einmal gedacht als friedensstiftender, völkerverbindender, fairer Wettstreit junger Amateursportler aus aller Welt. Gut, Amateure, also Sportler, die dafür kein Geld bekommen, dürfte man jetzt eher weniger gesehen haben und fair wird es erst dann, wieder, wenn alle die gleichen Dopingmittel verwenden, aber das verbindende Element war dafür umso stärker. Schon vor Beginn der Spiele hat China seine Soldaten losgeschickt, um andere Völker kennen zu lernen und Menschen aus anderen Kulturen zu treffen, und die Russen waren so begeistert von dem Konzept, dass sie es gleich selbst umgesetzt haben und ihr Militär zu einer Bildungsreise nach Georgien geschickt haben. Dumm nur, dass die Georgier da einfach nicht mitmachen wollten. Aber die Russen haben ja verständnisvoll reagiert und ihre Truppen – nach einer kleinen Besichtigungstour –
sofort wieder abgezogen. Bis auf die 500 Friedenssoldaten natürlich, aber die wollen sicher nur den olympischen Frieden schützen.
Apropos Friedenssicherung: Auch die USA haben wieder einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einem friedlichen Miteinander der Völker zurück gemacht. Und zwar werden
die USA in Polen ein kleines Raketenschild installieren. Zudem werden sie unseren östlichen Nachbarn mit Raketen und finanziellen Mitteln für die Streitkräfte unterstützen. Russland braucht sich jetzt aber natürlich nicht bedroht fühlen, denn das 180 Kilometer vor der russischen Grenze geplante Raketenschild ist laut US-Außenministerin Rice
rein defensiv und gegen niemanden gerichtet
Komisch, warum fällt mir jetzt
Walter Ulbricht ein?
Na, wie dem auch sei – ehemals bei der DDR-Regierung Beschäftigte sind anscheinend derzeit überall sehr gefragt. Nicht nur
in der Wirtschaft, die v.a. an den großen Qualifikationen in der Überwachungstechnik interessiert ist, sondern auch im Sport, wo wohl insbesondere deren Erfahrung
im Doping im Leistungssport gefragt ist. China hat zwar einen Großteil dieser Trainer bzw. Ärzte abgeworben, aber
ein paar sind auch für das deutsche Team nach Olympia gegangen. Selbstverständlich natürlich nicht um zu dopen; das machen deutsche Sportler schließlich nicht – und wenn sie doch erwischt werden, dann waren es natürlich weder die Ärzte, noch die Trainer, noch die Sportler, sondern… ähh…
das Pferd…
Aber ansonsten waren das natürlich
die saubersten Spiele aller Zeiten…
Und weil deswegen überall super Stimmung ist, kann man auch locker mal die ein oder andere schlechte Nachricht verkünden, ohne, dass es jemanden stört.
Die Deutsche Bahn zum Beispiel: Die hat schon im ersten Halbjahr 2008 einen Milliardengewinn eingefahren und das hat jetzt natürlich auch Auswirkungen auf die Ticketpreise: Die werden nämlich
steigen! Dafür wird die Bahn dann aber auch kräftig investieren – in Rumänien. Super, welch ein Glück dass die Bahn an die Börse will: Da geht dann also ein staatliches Unternehmen (das folglich vom Bürger finanziert wurde) an die Börse um seine Gewinne irgendwo loszuwerden, und bezahlen dürfen das dann – wir! Und beschlossen wurde das ganze natürlich von – der SPD!
Und wo wir grade bei großen Erfolgen ehemals staatlicher Unternehmen an der Börse sind: Die Telekom, die mit ihren großen Erfolgen
viele Bürger eine um ihre Geldanlagen brachte und wenige Vorstände um einige Millionen reicher machte, hat letzte Woche angekündigt ca. 30 ihrer Call-Center zu schließen. Gut, wirklich vermissen wird die wohl niemand, und ob man jetzt keine oder gar keine Hilfe bei seinen Problemen bekommt, ist irgendwie auch egal. Man sieht also bei der Telekom wird sich in Zukunft nichts ändern, außer, dass noch weniger Leute für den nicht vorhandenen Service zuständig sind.
Achja, Zukunft ist auch ein gutes Stichwort:
Die nächsten Olympischen Sommerspiele werden ja in London stattfinden. Und das ist doch eine tolle Sache, denn die gehören ja schließlich zu den Guten, führen keine völkerrechtswidrigen Kriege (außer der große Bruder von der anderen Seite des großen Teichs hätte das gerne), foltern nicht (außer natürlich, wenn sie gerade einen völkerrechtswidrigen Krieg führen) und haben auch keine Probleme mit den Menschenrechten (außer, wenn sie jemand in die EU-Verfassung, pardon den EU-Reformvertrag schreiben will)…
~ Sommerpause ~
2.8.2008 Link
Tagesgericht: Gefülltes Sommerloch
Im Moment dürften wir so ziemlich den tiefsten Punkt des Sommerlochs erreicht haben. Das Parlament hat sich schon vor einiger Zeit in die Sommerpause verabschiedet und auch die Spitzenpolitiker sind alle weg. Doch dankenswerterweise hat sich die SPD dieses Jahr bereiterklärt diese medientechnische Lücke zu füllen:
Parteiausschluss – das ist schon eine ganz besondere Sache. Vor allem, wenn es ein so prominentes Mitglied wie den ehemaligen Wirtschaftsminister Wolfgang Clement betrifft. Denn dieser ist am Donnerstag
von einer Landesschiedskommission aus der SPD ausgeschlossen worden; und das nur, weil er im Hessischen Wahlkampf davor gewarnt hat, seine Parteikollegin Ypsilanti zu wählen… Aber Sorgen muss man sich um den armen Kerl wohl keine machen, immerhin hat er gleich nach seiner Amtszeit als Wirtschaftsminister
einen Posten im Aufsichtsrat einer Tochter des Energiekonzerns RWE bekommen.
Dass sich
der Parteivorstand trotzdem für einen Verbleib Clements in der SPD einsetzt, liegt dann vielleicht auch weniger daran, dass sie sich um ihn sorgt, als vielmehr daran, dass die SPD unter akutem Mitgliederschwund leidet. Mittlerweile hat die
CDU erstmals in der deutschen Geschichte mehr Mitglieder als die SPD. Gut, das liegt jetzt weniger daran, dass die Union beliebter oder besser wäre als die Genossen, sondern eher daran, dass Erstere weniger schlecht sind als Letztere, sprich: Die Schwarzen haben lediglich weniger Mitglieder verloren, als die Roten, aber immerhin.
Die Sozialdemokraten haben es aber auch nicht leicht, schließlich müssen sie sich nicht nur nach rechts gegen die CDU schlagen, sondern gleichzeitig auch noch nach links gegen die Dunkelroten. Gerade die Linke scheint ja ein regelrechter Magnet für ehemalige SPD-Mitglieder zu sein. Kein Wunder, bei solch charismatischen wie Lafontaine und Gysi. Der Gregor, der kennt sich auch richtig toll, mit so Sachen wie Demokratie aus: Zum Beispiel mit der Meinungs- und Pressefreiheit: Die findet er nämlich anscheinend blöd, insbesondere dann, wenn man darüber berichtet, dass die Bundesbeauftragte für die Unterlagen der Staatssicherheit der ehemaligen DDR, Marianne Birthler, sich darüber geäußert hat, das Gysi in der DDR…
Und irgend so ein schlauer
Richter gibt ihm dann auch noch Recht - na super!
Da braucht es einen dann auch gar nicht mehr wundern, wenn China sich ebenfalls nicht sonderlich für solche lästigen Dinge wie Meinungsfreiheit interessiert, und kurzerhand, trotz gegenteiliger Versprechen sogar
für ausländische Journalisten das Internet zensiert. Und dem IOC ist das im Grunde –
wurscht! Aber vielleicht ist das ja auch gar keine Zensur, vielleicht wurden die Internetanschlüsse auch nur von der Telekom verlegt – das wäre auch eine Erklärung, warum sie nicht ordnungsgemäß funktionieren…
Und wo wir grade bei
Spitzeln deutschen Konzernen sind. Bei Siemens ist zurzeit ja auch richtig was los: Die wollen jetzt ihre
früheren Chefs verklagen, weil sie doch etwas von dem Schmiergeld wussten, das Siemens jahrelang gezahlt hat. Na, so eine Überraschung,
Die sollen etwas gewusst haben – das wäre ja was ganz was neues, dass die Chefs eines Konzerns darüber Bescheid wissen, was in ihrem Konzern passiert. Aber das könnte jetzt teuer für die Herren Manager werden, die werden direkt verarmen.
Und das kann in Deutschland lebensgefährlich sein, denn wer arm ist kann sich bald keine Heizung mehr leisten. Aber zum Glück
weiß da der Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin Rat:
Wer sich das Heizöl nicht mehr leisten kann, der solle sich halt warm anziehen. Das erinnert mich irgendwie an die französische Königin
Marie Antoinette: Wenn sie sich das Heizöl nicht mehr leiten können, sollen sie eben Pelzmäntel tragen, oder so ähnlich…
Alternativ könnten sie natürlich noch irgendwohin ins Warme fliegen. Dank der Billigflieger wäre das im Zweifel vermutlich sogar billiger als Heizöl. Und nachdem
bei der Lufthansa nicht mehr gestreikt wird, steht dem ja auch nichts mehr im Wege.
Eigentlich ja Schade, das wäre sonst eine gute Ausrede gewesen die olympischen Spiele zu boykottieren: "Wir würden ja gerne kommen, aber leider – unser Flugzeug will nicht, und zu Fuß ist es halt doch etwas weit…" Jetzt werden dann halt doch wieder alle kommen, und Tibet ist sowieso schon lange wieder vergessen…
Juli 2008
27.7.2008 Link
Gefangen in der Freiheit
Ist es nicht schön, wenn man den Wochenrückblick ausnahmsweise mal mit einer guten Nachricht beginnen kann?
Die Deutschen Geiseln, die die PKK am 9. Juli gefangen genommen hatte,
sind freigekauftgelassen worden! Ist halt ein Glück, wenn man Bürger eines Landes wie Deutschland ist, dass die Mittel hat so etwas zu bezahlen – wenn man dagegen z.B. Iraker ist, hat man eben Pech gehabt, tja…
Nicht mehr frei – und das ist schon die zweite gute Nachricht heute –
ist der Kriegsverbrecher Radovan Karadzic, der wohl mehrere zigtausend Menschen auf dem Gewissen hat – und jetzt wurde er schon nach 12 Jahren "intensiver" Suche gefunden. Im Austausch gegen eine EU-Mitgliedschaft für Serbien soll er jetzt sogar an den Internationaler Strafgerichtshof ausgeliefert werden – Respekt!
Immer noch frei – und damit wären wir jetzt bei den schlechten Nachrichten angelangt – ist dagegen der Kriegsverbrecher George W. Bush. Und es ist leider auch kaum damit zu rechnen, dass er im Austausch gegen eine EU-Mitgliedschaft für die USA ausgeliefert wird. Wobei, wenn der Dollar im Vergleich zum Euro noch weiter sinkt…
Erfolgreicher im Kampf gegen den Terror ist da zurzeit Spanien, denn dieses konnte am Dienstag
einen großen Erfolg im Kampf gegen die baskische Terrororganisation ETA verbuchen. Und das obwohl Spanien bereits in der EU ist! Jedenfalls wurde einigen Mitgliedern dieser Organisation (also der ETA nicht der EU) erstmal die Freiheit entzogen.
Frei sind dagegen wir Deutsche – und zwar frei von Wahlkampf! Wenigstens vorerst,
sagt zumindest Frau Merkel. Gut, wir Bayern haben da nichts davon – denn bei uns ist diesen Herbst Wahlen und der Wahlkampf schon in vollen Gängen. Sieht man übrigens daran, dass die Regierung jetzt all das umsetzen will, was sie die letzten Jahre hindurch immer abgelehnt hat, als es die Opposition gefordert hat. Aber zurück zur Bundeskanzlerin:
Die sagt nämlich weiter über die Große Koalition, dass sie sich erhofft, dass die Menschen über diese denken: "[Sie] mühen […] sich, uns Antworten auf die Probleme zu geben, die wir haben." Na toll, sie mühen sich! Also, wenn bei mir im Zeugnis steht "er hat sich bemüht" dann ist as so ziemlich die schlechteste Bewertung, die man bekommen kann.
Aber gute Idee, zum Ende des Schuljahrs (ja auch in Bayern ist es jetzt soweit) gibt’s für die große Koalition auch mal ein Zeugnis:
Was soll man da noch sagen? Da hilft wohl nur noch beten:
Herr,
befreie du uns von all den Übeln unserer Welt,
befreie uns von den Wahlkämpfern, den Populisten, den Aktionsplänen und den Agenden,
befreie uns von den Klatschzeitungen, von den Talkshows und den Sommerlochthemen,
Herr,
befreie uns von allen Übeln, wie auch wir befreien unseren Geist
von all’ dem überflüssigen Ballast,
dem Wissen, der Intelligenz und der Weisheit
Amen
20.7.2008 Link
Wenn’s am schönsten ist…
Jetzt ist es aus!
Am Donnerstag war Edmund Stoiber zum letzten Mal als Abgeordneter im bayerischen Landtag. Und mit ihm gingen noch eine ganze Reihe
weitere Abgeordnete in ihren unverdienten Ruhestand. Geradezu rührende Szenen sollen sich da abgespielt haben, als diese in der letzten Plenarsitzung des Landtags vor der Sommerpause (2 Wochen vor Beginn der Sommerferien für die Schüler!) verabschiedet wurden.
Und wo bekommen wir jetzt Ersatz für die scheidenden Spitzenkräfte her? Vermutlich aus dem Ausland! Zumindest will die Bundesregierung jetzt
mehr hochqualifizierte Ausländer ins Land lassen um
die völlig verkorkste Bildungspolitik den Mangel an Fachkräften zu kompensieren. Eigentlich eine schöne Sache, dass Deutschland jetzt zumindest etwas von seinem "Du kommst hier nicht rein"-Kurs abweicht (mit dem wir in Europa übrigens nahezu völlig allein stehen) abweicht; nur, was sollen wir jetzt mit unseren ~4 Millionen Arbeitslosen machen?
Ich würde ja vorschlagen: Ins Ausland! Wir importieren hochqualifizierten Arbeitskräfte aus anderen Ländern und exportieren dafür gering qualifizierte Kräfte – klingt nach einem fairen Tausch, oder?
Naja, wir könnten die Fachkräfte natürlich auch selber ausbilden. Aber das kostet Geld und da die Deutschen das nicht haben bleiben sie dumm.
Aber dagegen will die CSU jetzt etwas tun: Schule soll ab jetzt um sonst sein! Natürlich, das war sie auch bis jetzt schon, aber nun muss man nicht einmal mehr was dafür bezahlen, denn großzügigerweise
erlässt uns die CSU das Büchergeld. Gut, sie hat es auch selber vor 4 Jahren eingeführt, aber
jetzt sind eben Wahlen möchte die CSU dem Bürger auch mal etwas Gutes tun.
Und wo sie schon mal dabei sind, möchten sie am liebsten auch gleich noch
die Pendlerpauschale wiedereinführen. Sogar von CDU und SPD haben sie schon einige auf ihre Seite gezogen – nur die gemeine Merkel ist dagegen; von wegen irgend so einem "ausgeglichenen Haushalt", oder so was – Unverschämtheit!
Aber wenn es wirklich nicht klappen sollte mit der Pendlerpauschale, könnten wir uns ja immer noch eine Anleihe bei der Tour de France nehmen, und mit Hilfe der von Spitzensportlern getesteter Dopingmittel zur Arbeit radeln…
13.7.2008 Link
Kraft durch Doping und Atome
Das ist mittlerweile ja schon mehr eine Tortour als eine Tour, die da jedes Jahr durch Frankreich führt. Immer die bange Frage: Erwischen sie heute unseren oder doch den anderen? Inzwischen scheint man schon einen Rennwagen zu brauchen, um mit den zweirädrigen Medikamentenlagern mithalten zu können; zumindest war diese Woche
ein gewisser "Schumacher" ganz vorne mit dabei – und der war doch früher mal bei der Formel1, oder? Aber zumindest war der
noch nie gedopt…
Aprpos "noch nie": Noch nie etwas gebracht haben ja auch diese Gipfel, die immer dann von Politikern aus aller Welt bestiegen werden, wenn es mal wieder gilt die Artenvielfalt, Afrika, das Klima oder sonst irgendwas zu retten. Da gibt es dann immer eine Menge schöner Bilder, gutes Essen und nette Worte, aber die Ergebnisse kann man, wenn überhaupt, höchstens mit der Lupe erkennen.
Auch diese Woche gab es mal wieder so eine Gipfelbesteigung:
Den G8-Gipfel in Toyako (Japan) - Da haben sich diese Woche die Staatschefs der G8-Staaten getroffen und über Gott (also sich selbst) und die Welt (also Europa und die USA) geredet. Zwischen dem 5. Gang und der 1. Nachspeise sind sie dann auch noch irgendwie auf den Klimaschutz zu sprechen gekommen und – man höre und staune – sind
zu einem Ergebnis gekommen!
Und zwar haben sie beschlossen, dass sie
nächstes Jahr darüber
verhandeln möchten,
möglicherweise den Ausstoß
neuer Treibhausgase
bis 2050 zu halbieren – WAHNSINN!!!
Das ist auch ein enormer Fortschritt, denn bei ihrem letzten Treffen in Heiligendamm (wir erinnern uns, das war das mit dem Zaun!) hatten sie nur beschlossen, dass sie überlegen wollten, vielleicht darüber zu verhandeln unter Umständen irgendwann einmal den Ausstoß der Treibhausgase irgendwie zu verringern. Und außerdem immerhin: Schon ab 2050 nur noch halb so viel neues CO
2 - das "Steinbrück-Prinzip":
Wir werden möglicherweise schon in 3 Jahren keine neuen Schulden mehr machen! Gut, die alten haben wir dann immer noch, aber egal…
Ich bin ja mal gespannt, ob sie das Prinzip dann auch bei der nächsten "Vorwahlsoderflut" anwenden. Ob sie dann den Opfern des Hochwassers sagen:
Wir haben nach langen Diskussionen auf dem Krisengipfel der Großen Koalition beschlossen, dass wir zwar im Moment nichts für euch tun können, aber das Wasser soll schon ab 2012 nicht mehr höher steigen! Das wär’ doch was?
Aber zurück zum Thema der 8 Gipfelstürmer: Die wollen ja das Klima retten und dazu den CO
2-Ausstoß reduzieren. Und wie? Ganz einfach! Wir brauchen einfach mehr Atomkraftwerke, die werden das Klima dann schon retten und
wir wissen ja alle, wie sicher Atomkraftwerke sind. Und auch die Endlagerung ist
schon längst gelöst.
Na bei den Aussichten komm’ ich ja lieber noch zurück zur französischen Spritzenfahrt. Da wird das Ziel zwar auch nur selten auf dem direkten Weg erreicht, aber hier werden
die Betrüger zumindest manchmal erwischt…
6.7.2008 Link
Von Gewinnern und Verlierern
Ist das nicht herrlich? In der ersten flaggenfreien Woche nach drei Wochen Schwarz-Rot-Gold-Fernsehen, kommt jetzt endlich wieder das gesamte Farbspektrum zu seinem Recht. Was bin ich froh, dass die Deutschen nicht gewonnen haben, sonst wäre das vermutlich noch Wochen so weiter gegangen…
Wobei, Zweiter ist doch eigentlich auch nicht schlecht, oder? Fragen wir dazu am besten jemanden, der sich mit dem "Zweiter-sein" auskennt –
den Spitzenkandidaten der Bayern-SPD, Franz Maget:
Opposition ist Mist und diesen Mist erleben wir in Bayern schon viel zu lange
Achso, dann ist "Zweiter-sein" wohl doch nicht so schön? Und was will er jetzt dagegen machen? Regierungswechsel, sagt er. Da gibt’s halt nur ein klitzekleines Problem – die SPD scheiterte bei der letzten Wahl knapp an der 20%-Marke und auch wenn sie diesmal die Aussicht hat, diese Hürde zu überspringen, landet sie dahinter doch nur wieder im Mist – schließlich fehlen dann immer noch weitere 25% um die CSU abzulösen. Aber gut, ist doch schön, wenn es noch Optimisten in unserem Lande gibt, sie müssen jetzt halt nur aufpassen, dass Kurt Beck nicht als Wahlkampfhelfer vorbei schaut – denn dann wäre wohl alles verloren…
Dann könnte ihnen vermutlich nicht einmal mehr Robert Mugabe helfen, und der ist immerhin
international anerkannter Experte für das Gewinnen demokratischer Wahlen gegen den ausdrücklichen Willen der Mehrheit der Wähler. Aber gut, seine Methoden sind bei uns derzeit auch nicht durchführbar – schließlich sind alle unsere Foltergefängnisse im Moment von CIA belegt.
Aber wo wir gerade bei schwarzen Machthabern sind. Sogar die CSU macht sich mittlerweile Sorgen um ihren Machterhalt. Wie groß diese Angst ist, sieht man schon daran, dass Beckstein mittlerweile dazu bereit wäre die schwarze Null dem Gott der Prozente zu opfern. Nein, nicht unseren Edi, der hat sich ja schon selbst nach Brüssel geopfert, nein, hier ist die schwarze Null im Haushalt gemeint. Natürlich will er nicht seine eigene Null, also Erwin Huber, opfern – nein,
seinen Wahlkampf soll lieber Frau Merkel bezahlen, die das aber vehement ablehnt – logisch Bundestagswahlen sind ja auch erst nächstes Jahr. Irgendwie lustig, oder? Um Landtagswahlen zu gewinnen muss man auf Berlin schimpfen, um Bundestagswahlen zu gewinnen auf Brüssel und EU-Wahlen kann man nicht gewinnen.
Aber nach so viel Streit auch mal eine schöne Meldung: Die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Kolumbiens,
Ingrid Betancourt, ist nach 6 Jahren Gefangenschaft endlich frei. Gut, es sind derzeit vermutlich noch weitere 700 Geiseln in den Fängen der FARC, die jetzt zudem
noch weniger Chancen auf eine baldige Freilassung haben, aber das soll jetzt die Freude natürlich nicht trüben…
Apropos frei: Frei von Sorge um ihre Gesundheit können angeblich auch alle Käseesser sein. Der
Gammelkäseskandal stelle keine Gefahr für die Verbraucher dar, da die Sache schon 2 Jahre alt sei – nicht der Käse natürlich, der ist noch viel älter,
der Fall liegt 2 Jahre zurück. Und da ist jetzt natürlich der richtige Zeitpunkt um die Verbraucher zu informieren, denn die Sache ist sicher schon lang gegessen – samt all den tollen Inhaltsstoffen, wie Mäuseteilen, Plastikteilen und anderem Abfall – lecker!
Komisch – wieso muss ich jetzt bei dubiosen Inhaltsstoffen plötzlich an die Tour de France denken? Naja, wie dem auch sei – jedenfalls wurde gestern die diesjährige Ärtzefahrt rund um Frankreich gestartet – und die ist dieses Jahr, natürlich,
so sauber wie noch nie…